Neustadt - Renovierung der Orgel



Festgottesdienst mit Einsegnung der Orgel am 21. April 2017

Gottesdienst mit Einsegnung der Orgel

 

Der Gottesdienst zur Einsegnung der Orgel war festlich gestaltet. Nach der Einsegnung durch Pfarrer Michael Weber führte der Orgelsachverständige Thomas Wilhelm den Gottesdienstbesuchern die klangliche Vielfalt der Orgel mit einem facettenreichen Stück zu Gehör.

Orgelbauer Martin Bosch erläuterte die einzelnen Stufen der Orgelrenovierung von der Planung, über die Erweiterung bis zur Fertigstellung anhand von Bildern.

Musikalisch führte dann Dekanatskantor Hans-Joachim Dumeier durch den Gottesdienst mit Orgelstücken sowie der Liedbegleitung.

Die Kirchenvorsteherinnen Christine Babylon und Claudia Eckrich sowie Pfarrer Weber dankten im Namen des Kirchenvorstands den privaten Spendern, kirchlichen Organisationen und Vereinen für die finanzielle Unterstützung. Ein großer Teil des Geldes wurde aus Rücklagen bereitgestellt, die auf Einsparungen im Haushalt zurückgehen. Dieser wird aus Kirchensteuern finanziert. Das eingesparte Geld im Haushalt geht in die Rücklagen der Kirchengemeinde. So ist jedes Gemeindemitglied, das Kirchensteuern bezahlt, an der Umsetzung solcher sinnvollen Maßnahmen beteiligt.

Nach dem Gottesdienst luden die Kirchenvorsteher zu einem Umtrunk und Verweilen in der Kirche ein, um den Abschluss der Renovierung gebührend zu begehen.

Allen die zum Gelingen dieses Abends beigetragen haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt mit einem Vergelt’s Gott.



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Große Hörprobe fürs Kleinod
Das Odenwälder Echo berichtete am 20.04.2017, Seite: 10 Odenwaldkreis über den Abschluss der Orgelrenovierung (Birgit Reuther) wie auch das Ev. Dekanat Odenwald (Bernhard Bergmann)
Odenwälder Echo 2017-04-20 Orgel.pdf
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Wo sonst die Pfeifen zu Hause sind, schauen nun die Orgelbauer raus: (oben von links) Martin Fy-drich und Christian Katzmann, darunter (von links) Pfarrer Dr. Michael Weber, Orgelsachverständiger Thomas Wilhelm und Martin Bosch von der gleichnamigen Orgelbaufirma, beim Ortstermin in der evangelischen Kirche in Neustadt.                     Foto: Bernhard Bergmann

Der Artikel erschien am 7. Februar 2017 im Odenwälder Echo.

Bernhard Bergmann

Die Orgel ist dann mal weg

Instrument der evangelischen Kirche in Neustadt wird renoviert

Neustadt. Ein Kirchenraum ohne Orgel – für viele undenkbar. In der evangelischen Kirche in Neustadt ist das derzeit leider nicht vermeidbar: Das Gehäuse steht leer und damit schweigend da. Die Orgel muss nämlich renoviert werden. Mitarbeiter der Firma Bosch haben die gut 600 Pfeifen des zehn Register umfassenden Instruments ausgebaut. Diese werden nun am Firmensitz in Niestetal bei Kassel gereinigt und aufgearbeitet. Auch die Klaviatur wird bei dieser Gelegenheit überarbeitet, ebenso wie die sogenannte Windanlage, ohne deren Luft die Orgelpfeifen gar nicht zum Klingen gebracht werden könnten.

Bekannt ist über die Neustädter Orgel, dass ihre ältesten Teile in diesem Jahr genau 300 Jahre alt sind. Geschaffen hat sie 1717 der namhafte Orgelbauer Johann Wilhelm Müßig. „Dieses barocke Instrument bestand bis 1958“, weiß Thomas Wilhelm, der Orgelsachverständige der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Damals, vor knapp 60 Jahren, wurde vieles noch nicht aufgearbeitet, wie man es heute aus Respekt vor dem Altehrwürdigen tun würde, sondern einfach neu gemacht. Seitdem


handele es sich, wenn man sich wie üblich nach den Namen der Erbauer richtet, um eine Förster-und-Nicolaus-Orgel, einer Firma im oberhessischen Lich. Aber ein paar alte Pfeifen sowie das barocke Gehäuse mit dem schön gestalteten Prospekt zeugen noch von der Vorgängerin.Nach knapp drei Monaten soll die dann runderneuerte Orgel wieder vollständig zusammengebaut sein und nicht nur glänzen, sondern vor allem: ertönen. „Sie wird dann etwas mehr klingen wie das barocke Original“, erklärt Wilhelm.

Eben weil ein Kirchenraum ohne Orgel für die meisten Menschen, wie eingangs erwähnt, kaum vorstellbar ist, haben inzwischen viele für die Aufarbeitung des ihnen so wertvollen Instruments gespendet, was Pfarrer Dr. Michael Weber besonders freut. Denn die Kosten für die Maßnahme schlagen mit rund 56.000 Euro zu Buche. Neben zahlreichen Privatspenden haben etwa die Frauenhilfe und der Kerbverein sich kräftig beteiligt, ebenso der Strickkreis und der Vereinsring: Es legen eben viele zusammen. „Daneben haben wir von der Stiftung Höchster Klosterfonds und von der Kirchenverwaltung sowie aus Konzerten und Kollekten Gelder bekommen und müssen natürlich auch noch einiges aus unseren Rücklagen beisteuern“, erklärt Pfarrer Weber.

Bis die „Königin der Instrumente“, wie eine Orgel auch bezeichnet wird, in ihr Gehäuse am angestammten Ort wieder einzieht, sorgt ein sogenanntes Orgelpositiv als Ersatzinstrument für Musik in der evangelischen Kirche in Neustadt. Ein Gemeindeausflug zur Firma Bosch in Niestetal, bei dem Interessierte sich vor Ort über die Arbeiten informieren können, ist für März geplant; der genaue Termin wird noch bekanntgegeben.


Ausbau der Orgel:

Am 17. Januar 2017 wurde mit dem Ausbau der Orgelpfeifen, Register, Manual und Pedal usw. begonnen. Alles wurde verpackt und am 19. Januar wurden die ausgebauten Teile in die Werkstatt Bosch (Niestetal) gebracht.

Dort erfolgt in den kommenden Wochen die Reinigung der einzelnen Teile, Neuanfertigung von Pfeifen usw.

Weiter unten eine Bildergalerie vom Ausbau der Orgel:

Was steht in den Quellen über die Orgel:

1695      Im Juni wird mit dem Orgelbauer Johann Wilhelm Müssig aus Aschaffenburg ein Vertrag über den Bau einer Orgel mit folgender Disposition (Gesamtanlage) geschlossen: 1. Grobgedackt 8‘, 1. Kleingedackt 4‘, 3. Prinzipal 2‘, 4. Quint.Flöte 1 ½‘, 5. Mixtur 3-fach 1‘. Die Register bestehen fast alle aus einer Zinn-Blei-Legierung außer dem Prinzipal 2‘, das aus reinem Zinn ist. 6. Tremulant und 7. Vögelsang als Zungenpfeifenregister. Zwei Bälge von 6 Schuh Länge und 2,5 Schuh Breite müssen angefertigt werden. Der Tastenumfang beträgt wahrscheinlich C bis c‘‘‘. Die Schreinerarbeit erfolgt nach einem Modell.

1717      Die Kosten von 153 Gulden sind bezahlt.

 

Weitere Informationen: Orgeldokumentation